Aus der Poeten-Werkstatt der Klasse 6a

2021-07-14T16:01:55+02:0014. Juli 2021|

Erinnerungen und Eindrücke am KKG in Gedichtform

Woher kommen die Gedanken, die einem im Schulalltag manchmal in die Quere kommen und vom Unterricht ablenken? Warum scheinen sie mir wichtiger zu sein? Was beschäftigt mich? Wer bin ich? Gibt es noch mehr, das es wert ist, wahrzunehmen?
Die Schüler*innen der Klasse 6a wollten endlich sich dafür Zeit nehmen, was ihnen angeblich öfter mal im Wege steht, und ihr Aufmerksamkeit genau darauf lenken. Sinnieren, die Gedanken zu- und sie schweifen lassen, ohne zu wissen, wohin sie sie führen. Nicht funktionieren, nichts Sinnvolles lernen oder etwas verstehen müssen. Nichts scheint dem Dichter ferner, als sinnvoll zu sein.
Auch wenn es in erster Linie eine Begegnung mit sich selbst war, ohne einen Adressaten, waren dann doch ein paar Schüler*innen der Ansicht, dass ihre Eindrücke und Gedanken sowie ihre Stimmung in diesem einen Moment es wert waren, all das irgendwie in unsere Sprache zu übertragen und sich so Notizen zu machen.
Dann waren sie da, die Worte! Was damit anfangen? Passen sie überhaupt noch zu der erfühlten Stimmung? Konnten sie das Erfühlte überhaupt transportieren? Nur noch ein kleiner Kreis an Lyrikern war davon überzeugt und wollte auch noch einen Schritt weitergehen, die Notizen in Verse packen und mit Reimen versehen. Eine letzte Hürde blieb aber noch, doch auch diese meisterten ein paar von ihnen. Einzelne „Schriftsteller“ haben diese „innere“ Hürde überwinden können und ihr Werk der öffentlichen Kritik ausgesetzt. Und so durften nicht nur die Mitschüler*innen den ersten, selbst verfassten Gedichten lauschen, sondern nachfolgend kann jeder selbst sich einen Eindruck verschaffen, was so manch jungen Menschen vom Funktionieren ablenkt und so zu sich selbst finden lässt – wenn auch nur für einen Moment.
(J. Wessely)

(von Vinzenz Schächner)

Ich, der kleine Stein,
Bin manchmal traurig und allein.
Sehe kein Schwein,
Nein, nicht mal ein Bein.

Ich, der kleine Stein,
Bin aber nicht immer nur allein.
Manchmal, da freue ich mich auch
Und sehe mehr als nur einen Bauch.

Ich, der kleine Stein,
Bin Zeuge vieler Freudentränen
Und vieler Gesichter, welche gähnen.
Und dann bin ich nicht mehr allein.

Ich, der kleine Stein,
Bin aber auch Zeuge trauriger Gesichter,
denen im Test sind ausgegangen alle Lichter.
Aber sie sind trotzdem nicht allein.

Ich, der kleine Stein,
Habe schon sehr viel erlebt,
Die Erde hat vor Minibaggern gebebt
Und ich war trotzdem nicht allein.

Ich, der kleine Stein,
Habe schon die herrlichsten Sommerblüten gerochen
Und Bienen erlebt, die darum einen Kampf haben gefochten.
Und ich war nie allein.

In mir, dem kleinen Stein,
Ist Trauer und Erfolg eingraviert.
Diese lateinischen Wörter sind zu viert.
Und seitdem bin ich nicht mehr allein.

Ich, der kleine Stein,
Stehe seit jeher schon dort,
An diesem unbestimmten Ort.
Und werde nie mehr sein, allein.

Ich, der kleine Stein,
Werd auch für immer dort bleiben
Und die Schulgeschichte mitschreiben
Und ich werde NIE mehr sein, ALLEIN.

(von Fynn Schätzke)

Der Winter kam, das spürte ich,
Denn die Kälte packte mich.
Oh nein – ein eisiger Wind wehte ohne Gnade, ohne Rast,
Mich einfach so vom Ast.
Ich wankte los,
Im Rücken grausiges Getos.
Von hoch oben glitt ich ohne Ziel nach unten,
Dies dauerte Stunden.
Als ich unten ankam, blickte ich nach oben,
Denn viele andere Blätter tobten,
Ganz unbeschwert.
Während an ihnen die Schwerkraft zehrt.

(von Ferdinand Gottschalk)

Ich liege in der Wiese
Und schaue in die Kronen der Bäume.
Ich sehe die Zweige,
Die aussehen wie ein Netz einer Stadt der Vögel.
Die Beeren,
Die an den Zweigen hängen,
Sehen aus wie Straßen,
Die an Essensläden vorbeigehen.
Die Nester sind wie Mini-Bungalows
Mit Aussicht in die Sterne.
Aus den Häusern
Gucken kleine Wollknöllchen heraus.
Es ist einfach wunderbar,
Die Natur in den Bäumen.

(von Benedikt Schächner)

Während ich hier liege,
Lass‘ ich die Gedanken fliegen.
Und wenn ich träume,
Sehe ich viele Bäume.
Ich sehe viele Blumen
In einem riesigen Volumen.

Dort betrachte ich die Farbenpracht
Und plötzlich kenn‘ ich eine Macht,
Welche die Welt hat uns vermacht.
Schau mal raus, dort in die Nacht!
Schau mal raus, dort in den Morgen!
Und vergiss mal all‘ deine Sorgen!

(von Veronika Oberbaumgartner)

Ich kann nicht einfach zur Schule gehen,
Da muss ich erst jeden Mensch anflehen.

Meine Freundin ist reich
Doch ich wohne auf dem Deich.

Arm bin ich schon lange
Und das macht mir sehr viel Bange.

Kinderarbeit ist so dumm,
Da fällt doch glatt die Gans noch um.

(von Josepha Endfellner)

Ich flog übers Land,
Wo ich ganz viel fand.
Und manchmal auch nicht,
Das war eine Gicht.

Ich traf viele Kollegen
auf verschiedenen Wegen.
Ich fand‘s echt schön
Erfasst von Böen.

Machte Pausen auf Bäumen,
wo man kann träumen.
Das war mein Gedicht
Vom Habicht!

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