Ein Mundart-Video bringt den Sieg
Eine Minute und 51 Sekunden dauert der Siegerfilm, mit dem die Klasse 5f des König-Karlmann-Gymnasiums den bayerischen Jugend-Dialektpreis gewonnen hat. Am Dienstagabend hat Heimatminister Albert Füracker die Auszeichnung, die mit 1000 Euro dotiert ist, in der Allerheiligen-Hofkirche in München übergeben. Geehrt wurden neben der Klasse 5f noch zwei weitere Jugend-Projekte sowie sieben erwachsene Preisträger.
Hier ist das Video der Klasse 5f
Charmant und witzig erklären die Fünftklässler in dem Video zuerst, warum das diesjährige Thema „Dialekt ist Heimat“ ihrer Meinung nach stimmt – nämlich nicht nur, weil man auf Bairisch so schön schimpfen kann, sondern unter anderem auch, „weil i mein Opa sonst goa ned versteh dad – und unsere Kiah aa neda“, wie es Lena sagt. Im zweiten Teil des Films rezitieren die Schülerinnen und Schüler das Gedicht „A Buamahosntaschn“ von Helmut Zöpfl, während all die beschriebenen Gegenstände, die in eben jene passen, auf einen Tisch gelegt werden – von einer „Stang Bärndreg“ bis zum einem „hohla Schlüssel zum Pfeifa“.

Die Klasse 5f des König-Karlmann-Gymnasiums freut sich über die Auszeichnung mit dem Jugend-Dialektpreis. Mit im Bild sind (hinten, von links) Schulleiter Georg Kronhuber, Deutschlehrer Raimund Hofmann, Laudator Dr. Rudolf Neumaier, Staatsminister Albert Füracker und Social-Media-Koch Noah Hansen. – Foto: Florian Graser StMFH
In der Klasse 5f wird Dialekt gesprochen
In der Klasse 5f sprechen viele Kinder von Haus aus gerne Dialekt. So war Deutschlehrer Raimund Hofmann auf die Idee gekommen, ein Dialektgedicht zu verfilmen. Ursprünglich wurde also nur der zweite Teil des Clips gedreht. Dann erfuhr er vom Dialektpreis und beschloss mit den Kindern, eine Bewerbung einzureichen. Das Leitmotto des Wettbewerbs „Warum ist Dialekt für dich Heimat?“ aufgreifend, drehte die Klasse dann noch den vorangestellten Einspieler. Die Kamera bediente Raimund Hofmann, der Vater eines Schülers half beim Schnitt.
Das Ergebnis hat die Jury überzeugt. Und so ging es am Dienstagnachmittag mit dem Bus nach München, begleitet von Deutschlehrer Hofmann und KKG-Schulleiter Georg Kronhuber. Bei der Preisverleihungsfeier trafen die Altöttinger neben Staatsminister Albert Füracker auch den für seine Social-Media-Reels bekannten Koch Noah Hansen und Dr. Rudolf Neumaier aus Töging, der in seiner Funktion als Geschäftsführer des Bayerischen Landesvereins für Heimatpflege die Laudatio hielt.
Minister Füracker sagte, „Dialekt ist weit mehr als eine Art zu sprechen: Er ist Ausdruck unserer Heimat und unserer kulturellen Vielfalt, vermittelt Zugehörigkeit und verbindet Generationen.“ Mit dem Dialektpreis würden besondere Botschafterinnen und Botschafter bayerischer Mundarten gewürdigt. Der vielfältige Empfängerkreis des Dialektpreises 2026 und insbesondere das Engagement der Jugend zeige, dass Dialekt modern ist und die junge Generation begeistert. Die Preisträger würden zeigen, dass Mundart und Moderne hervorragend zusammenpassen und Brücken zwischen den Generationen schlagen.
Laudator Dr. Rudolf Neumaier lobte, der Film der Klasse 5f dauert zwar nur wenige Minuten, bleibe aber trotzdem lange in Erinnerung: „Mit Humor erzählen die Schülerinnen und Schüler zu Beginn des selbst erstellten Films mit Selbstbewusstsein und Selbstverständlichkeit, warum sie gerne Dialekt sprechen. Dadurch wird bewusst, dass Dialekt nicht nur eine Sprachform, sondern auch ein Stück Persönlichkeit, Heimat und Identität ist.“ Mit der anschließenden Verfilmung des Gedichts „A Buamahosntaschn“ von Helmut Zöpfl gelinge der Klasse „eine beeindruckende Verbindung von Literatur, Sprache und moderner Mediengestaltung“. Das Gedicht werde lebendig und greifbar – auch für Menschen, die den Dialekt vielleicht nicht perfekt verstehen. Die Jury sei sich einig: „Dieser Film ist ein starkes Bekenntnis zu Dialekt und Heimat und zugleich ein Unterrichtsprojekt, das auch andere Schulklassen inspirieren kann.“
Eine Wetterkerze für den Minister
An die Preisverleihung schloss sich noch ein kleiner Empfang an, um 23 Uhr dann war die Gruppe wieder zurück. Und um 8 Uhr früh am Mittwoch saßen die Kinder wieder in ihrem Klassenzimmer und erzählten dem Reporter der Heimatzeitung begeistert von dem Ereignis in München. Aufgeweckt und schlagfertig waren sie etwa Minister Füracker begegnet, für den sie eine gesegnete Wetterkerze mitgebracht hatten. Lena erklärte ihm, dass er diese anzünden solle, wenn es ein Donnerwetter gebe – und Maria ergänzte: „Auch wenn es mal politisch donnert“, helfe sie.
So wie in München waren viele der Kinder auch am Mittwoch in Tracht zum Unterricht erschienen. Und Emily hatte am Dienstagmorgen schon einen Radioauftritt, durfte dabei erzählen, dass ihr Lieblingslied „Wackelkontakt“ vom Oimara ist und ihr Lieblingswort „schee“.
Dotiert ist der Dialektpreis mit 1000 Euro. Was die Klasse mit dem Geld machen wird, ist noch nicht klar. Aber das können die Fünftklässler auch nach den Sommerferien noch entscheiden, denn sie werden im nächsten Schuljahr, in der 6. Klasse also, im Klassenverband zusammenbleiben.
Text: Alt-Neuöttinger Anzeiger, ecs
