Theaterfahrt der Q12 nach Salzburg

2026-06-19T11:11:22+02:0019. Juni 2026|

Goethes „Faust – Teil 1 und 2“ in zwei Stunden?!

 

„So [schritten die Schüler] in dem engen Bretterhaus [des Salzburger Landestheaters] den ganzen Kreis der Schöpfung aus.“ (Zitat aus Goethes Faust, abgewandelt)

Im Rahmen einer Theaterfahrt besuchten die Schülerinnen und Schüler der Q12 das Salzburger Landestheater, wo sie eine durchaus außergewöhnliche Inszenierung von Goethes Faust erleben konnten. Besonders erfreulich waren zunächst die Logenplätze, die unseren Karlmännern zugeteilt wurden und ihnen einen hervorragenden Blick auf die Bühne ermöglichten.

Die Aufführung selbst stellte eine besondere Herausforderung dar: Intendant Carl Philip von Maldeghem strebte nach Höherem und brachte in nur zwei Stunden sowohl Faust I als auch Faust II auf die Bühne. Dabei schlüpften lediglich vier Schauspielerinnen und Schauspieler in zahlreiche unterschiedliche Rollen. Die schnellen Rollenwechsel zeugten zwar von einer beeindruckenden schauspielerischen Leistung, führten aber stellenweise auch zu Irritationen beim Publikum. Denn führte Julienne Pfeil als Mephisto in Teil 1 den Doktor Faust, gespielt von Gregor Schulz, noch brillant und mit den Waffen einer Frau erotisch in die Irre, tauschten die beiden im zweiten Teil plötzlich ihre Rollen, um am Ende des Stücks wieder in ihre ursprünglichen zurückzukehren. Zudem wurden alle weiteren Figuren beider Tragödienteile von nur zwei weiteren Schauspielern gespielt: Acht verschiedenen Rollen musste die talentierte und wandelbare Naomi Kneip einnehmen, während Maximilian Paier in teils rasender Lust in nicht weniger als sechs Rollen das Publikum aus der Fassung bringen konnte. So tanzte er im Auerbachkeller zu Leipzig wild zu Ballermann-Beats über die Bühne, um kurz darauf als Hexe den Faust zu verjüngen, während er/sie seinen geliebten Mephisto lasziv umgarnte. Das Publikum zeigte sich zwar irritiert, aber auch gut unterhalten und so wurde mitgeklatscht und mitgelacht.

Während also der erste Teil von den meisten Schülerinnen und Schülern noch als kurzweilig und gut nachvollziehbar empfunden wurde, erwies sich der zweite Teil als deutlich anspruchsvoller. Da Faust II im Unterricht nicht gelesen worden war und zudem als eines der komplexesten Werke Goethes gilt, blieben manche der nach der Pause dargestellten Szenen und Motive den Schülern zunächst schwer zugänglich. Dennoch wurde deutlich, wie aktuell viele der von Goethe dargestellten Themen und seine Gesellschaftskritik auch heute noch sind. Denn Gier, Machtbestreben, Lust und grenzenloser Erfindergeist prägen nicht nur Fausts Weg durch sämtliche Sphären, sondern werden uns auch gegenwärtig leider mehr und mehr vorgelebt.

Beeindruckt zeigten sich alle von dem professionellen Bühnenbild. Tanzten Mephisto und Faust in der Walpurgisnacht im ersten Teil noch in einem echten Feuerkreis über das darin knöchelhohe Wasser, bestiegen sie im zweiten Teil eine etwa acht Meter hohe, futuristisch anmutende und sich drehende Stahlkonstruktion, die das Bühnengeschehen dominierte und den verschiedenen Szenen einen dynamischen Rahmen verlieh. So zwang die Physik beide Figuren, sich in gleiche Richtung und gleicher Geschwindigkeit zu bewegen, um das Rad zum Drehen zu bringen. Wäre nur eine der beiden Figuren vom eingeschlagenen Wege und der vorgegebenen Intensität zu abrupt abgewichen, wären Sie buchstäblich aus der (kreisförmigen) Bahn geraten.

Maldeghems Fokus lag somit eindeutig auf der Symbiose zwischen Faust und Mephisto und ließ mithilfe seines Bühnenarrangements und der Figuren-Twists keinen Zweifel daran, dass Mephisto letztlich das Teuflische in Faust selbst sei. Der eigentliche Konflikt findet daher im Inneren der Figur statt und könne letztlich erst durch die Abkehr von eigenen Interessen und Bedürfnissen gelöst werden. Angesichts der heutigen gesellschaftlichen Entwicklungen könnte diese Botschaft nicht aktueller und notwendiger sein.

Im Anschluss an den Theaterbesuch blieb noch Zeit für einen gemeinsamen Aufenthalt in der Salzburger Altstadt, um auch die Eindrücke über das Theaterstück in gemeinsamen Gesprächen zu verarbeiten. Die historische Kulisse bot einen gelungenen Ausklang eines kulturell bereichernden Tages.

Johannes Wessely

Landestheater Salzburg 2026 8 Fotos

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